Wo im Deutschen nicht der Anglizismus "Skill" (mit ähnlich unscharfem Bedeutungsspektrum) verwendet wird, spricht man zunehmend von "Kompetenzen" (im Plural), wenn man die berufliche "Handlungskompetenz" als Ganzes in ihre Bestandteile herunterbrechen möchte, was für einen gestaltenden Umgang essentiell ist. Dementsprechend sprechen Sonntag & Schmidt-Rathjens 2004 auch von Kompetenzen als "operationalisierbare Konstruktion menschlicher Leistung". Dabei werden Kompetenzen als Sammelbegriff benutzt für "Wissen, Fähigkeiten, Motivation, Interesse, Fertigkeiten, Verhaltensweisen und anderen Merkmalen, die eine Person für eine erfolgreiche Bewältigung ihrer Aufgaben benötigt." (Sonntag & Schmidt-Rathjens 2004) Erpenbeck & Rosenstiel 2003 sprechen hier auch von "Dispositionen". Als wichtigste Bausteine von Kompetenzen werden dabei Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten gesehen:
Die Vielzahl an Kompetenzen, die im beruflichen Alltag eine Rolle spielt, zwingt zur Strukturierung in Kompetenzkategorien oder -klassen. Dabei gibt es zahlreiche Versuche, Kompetenzen in unterschiedliche Kategorien einzuteilen. In der Literatur finden sich immer wieder die folgenden drei Klassen, die meistens als kanonisch angenommen werden (vgl. Kolb 2002, Sonntag & Schmidt-Rathjens 2004, Apke et al. 2004):
Ergänzend werden in der Literatur noch weitere Kompetenzklassen aufgeführt, so z.B. Lernkompetenz (als die Kompetenz für selbstorganisiertes Lernen), Personalkompetenz (als die emotional-motivationale Kompetenz, die sich in Einstellungen, Wertvorstellungen und Motiven äußert), Führungskompetenz , physische Kompetenz und ökonomische Kompetenz. Die Abgrenzung zwischen den unterschiedlichen Klassen ist dabei unscharf.
Erpenbeck & Rosenstiel 2003 verfolgen einen anderen Ansatz zur Klassifikation. Sie unterscheiden zunächst zwei grundlegende Kompetenztypen: (1) Kompetenzen, die für Selbststeuerungsstrategien bei bekanntem Ziel (wie erreiche ich einen zumindest rudimentär bekannten Zielzustand) und (2) Kompetenzen, die für Selbstorganisationsstrategien bei Zieloffenheit (wie kann ich unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten bewerten und Ziele setzen) benötigt werden. Darauf aufbauend gelangen sie durch Klassifikation der Handlungsmöglichkeiten eines Menschen zu vier Kompetenzklassen:
Interessant dabei ist, dass Erpenbeck & Rosenstiel im Gegensatz zur obigen Einteilung die Fach- und die Methodenkompetenz aufteilen in fachlich-methodische Kompetenz (im wesentlichen alles, was zur Problemlösung benötigt wird) und aktivitäts- und umsetzungsorientierte Kompetenzen (alles, was mit Motivation, Zielorientierung und Durchsetzung zu tun hat). Dies löst diese Aufteilung deutlich besser die Abgrenzungsprobleme zwischen methodischer und fachlicher Kompetenz, da fachorientierte Methoden nicht von anderen Fachkompetenzen getrennt werden müssen.
Um den Kompetenzbegriff handhabbar zu machen, lassen sich Kompetenzen aus Sicht der Personalentwicklung wie folgt abgrenzen:
Eine binäre Sichtweise, in der ein Mitarbeiter entweder über eine Kompetenz verfügt oder eben nicht, trifft so gut wie nie die betriebliche Realität. Es gibt immer "erfahrenere" Mitarbeiter, die bestimmte Dinge "besser" beherrschen als andere, und Neulinge, die die modellhafte Theorie beherrschen, jedoch nicht die volle Bandbreite der in der Praxis auftretenden Fälle. Um diese Differenzierung ausdrücken zu können, wird oft nach Kompetenzstufen oder -niveaus unterschieden (bzw. "skaliert" ), so z.B.: Überblickswissen/Problembewusstsein (kennen), beherrscht standardisierte Anwendung (verstehen), beherrscht komplexe Aufgabenstellungen und Situationen (können) und Expertenwissen (beherrschen).
Dreyfus & Dreyfus legen in Anwendung ihrer Theorie auf die Krankenpflege ein fünfstufiges Modell zugrunde:
Neben diesen qualitativen Skalen werden teilweise auch metrische Skalen (z.B. von 0 bis 100) zugrunde gelegt, die jede beliebige Abstufung erlauben. Allerdings legen empirische Ergebnisse nahe, dass Skalen mit fünf Ausprägungen die beste Validität liefern.
Neben den oft wenig greifbaren Kompetenzen spielen in der betrieblichen Bildung auch formale "Abschlüsse" eine Rolle, vor allem bei Aufstiegsfortbildungen, aber auch bei gesetzlich vorgeschriebenen Anpassungsfortbildungen. Dies wird üblicherweise mit dem Begriff der Qualifikation bezeichnet, das einen wohldefinierten Komplex von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten beschreibt. Qualifikationen unterscheiden sich vom oben eingeführten Kompetenzbegriff im Wesentlichen dadurch, dass Qualifikationen abprüfbar sind (typischerweise durch eine Abschlussarbeit, ein Examen o.ä.), während Kompetenzen nur indirekt erschließbar und evaluierbar sind. Obwohl man aus dieser Definition (pessimistisch) folgern könnte, dass der Erwerb einer Qualifikation nicht notwendigerweise zu einer Kompetenz führt, wird in der Praxis meist davon ausgegangen, dass eine Qualifikation ein Bündel von Kompetenzen (auf einem bestimmten Niveau) vermittelt. So geht man davon aus, dass eine Ausbildung zum/zur Gesundheits- und KrankenpflegerIn einen gewissen Satz von Basiskompetenzen vermittelt, die im Rahmen der weiteren beruflichen Tätigkeit vertieft wird.
Auszug aus der Diplomarbeit:
Christine Kunzmann:
Konzeption von Skills-Management-Instrumenten für die Bildungsbedarfspflege in der Pflege am Städtischen Klinikum Karlsruhe
Hochschule Pforzheim, September 2005
Dort sind auch die Quellen ausführlicher ausgeführt.